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PDF-DokumentInternationales Recht - Völkerrecht Prozeßrecht

BVerfG
12.10.2011
2 BvR 2984/09
2 BvR 3057/09
2 BvR 1842/10

Nichtannahmebeschluss: Völkerrechtliche Vollstreckungsimmunität eines fremden Staates wegen hoheitlicher Nutzung des Vollstreckungsobjekts - Voraussetzungen einer Verletzung von Art 101 Abs 1 S 2 GG bei fachgerichtlichem Unterlassen einer Vorlage gem Art 100 Abs 2 GG zur Normenverifikation - hier: teils mangels hinreichender Substantiierung unzulässige, teils unbegründete Rügen einer Verletzung von Art 101 Abs 1 S 2 GG iVm Art 100 Abs 2 GG

1a. Das Recht auf den gesetzlichen Richter (Art 101 Abs 1 S 2 GG) kann auch durch das Unterlassen einer Vorlage an das BVerfG gem Art 100 Abs 2 GG verletzt werden (vgl BVerfG, 10.06.1997, 2 BvR 1516/96, BVerfGE 96, 68 <77>). Dafür müssen jedoch objektive Zweifel an dem Bestehen oder der Tragweite einer allgemeinen Regel des Völkerrechts bestehen, die völkerrechtliche Zweifelsfrage für den Ausgangsrechtsstreit entscheidungserheblich sein (vgl BVerfG, 30.10.1962, 2 BvM 1/60, BVerfGE 15, 25 <30>) und die angegriffene Entscheidung auf der unterbliebenen Vorlage beruhen (vgl BVerfG, 05.11.2003, 2 BvR 1243/03, BVerfGE 109, 13 <22>).

1b. Eine Vorlage nach Art 100 Abs 2 GG ist bereits dann geboten, wenn das erkennende Gericht bei der Prüfung, ob und mit welcher Tragweite eine allgemeine Regel des Völkerrechts gilt, auf ernstzunehmende Zweifel stößt (vgl BVerfGE 96, 68 <77>).

2a. Den Fachgerichten ist es nicht verwehrt, Völkerrecht auszulegen und anzuwenden, soweit Zweifel an dem Bestehen oder der Tragweite einer allgemeinen Regel des Völkerrechts nicht bestehen oder soweit es sich um Völkervertragsrecht handelt. Das Verfahren nach Art 100 Abs 2 GG ist ein Zwischenverfahren zur Feststellung, ob eine allgemeine Regel des Völkerrechts Bestandteil des Bundesrechts ist (vgl BVerfGE 15, 25 <30>), nicht aber ein Verfahren zur Anwendung einer solchen - gegebenenfalls zuvor durch das BVerfG festgestellten - Regel auf einen konkreten Sachverhalt (vgl BVerfG, 15.12.2008, 2 BvR 2495/08, BVerfGK 14, 524 <533>).

2b. Um die Nachprüfung einer fachgerichtlichen Entscheidung am Maßstab des allgemeinen Völkerrechts zu erreichen, muss ein Verstoß gegen Art 2 Abs 1 GG iVm Art 25 GG gerügt werden. Die ausdrückliche Rüge der Verletzung des Verfahrensgrundrechts nach Art 101 Abs 1 S 2 iVm Art 100 Abs 2 GG kann nicht in eine solche nach Art 2 Abs 1 iVm Art 25 GG umgedeutet werden (vgl BVerfG, 30.01.2008, 2 BvR 793/07, BVerfGK 13, 246 <252>).

3a. Zu Voraussetzungen und Umfang der völkerrechtlichen Vollstreckungsimmunität bezüglichen Gegenständen eines Staates, die hoheitlichen Zwecken jenes Staates dienen, vgl BVerfG, 12.04.1983, 2 BvR 678/81, BVerfGE 64, 1 <40>; BVerfG, 06.12.2006, 2 BvM 9/03, BVerfGE 117, 141 <156>.

3b. Ob Vollstreckungsobjekte hoheitlichen oder nicht hoheitlichen Zwecken des fremden Staates dienen, bestimmt sich mangels Kriterien im allgemeinen Völkerrecht grundsätzlich nach der Rechtsordnung des Gerichtsstaates (vgl BVerfG, 30.04.1963, 2 BvM 1/62, BVerfGE 16, 27 <62>)

GG Art 100 Abs 2, Art 101 Abs 1 S 2, Art 25
BVerfGG § 23 Abs 1 S 2, § 92

Aktenzeichen: 2BvR2984/09 Paragraphen: Datum: 2011-10-12
Link: pdf.php?db=verwaltungsrecht&nr=16346

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